Konvektion, Konduktion und Hybrid: Wie Vaporizer heizen – und was das für die Extraktion bedeutet
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Das Heizprinzip ist die wichtigste, aber am seltensten erklärte technische Eigenschaft eines Vaporizers. Es entscheidet über Wirkstoffausbeute, Geschmack, Gleichmäßigkeit und das Risiko einer unerwünschten Verbrennung. Dieser Beitrag erklärt die Physik dahinter – verständlich, aber mit den Zahlen und Studien, auf die es ankommt.
Fachartikel · Lesezeit ca. 15 Minuten · Alle Messwerte mit Quellenangabe · Letzte Aktualisierung: Juli 2026
Wer sich mit Vaporizern beschäftigt, stößt schnell auf drei Begriffe: Konduktion, Konvektion und Hybrid. Sie klingen nach Marketing, beschreiben aber tatsächlich unterschiedliche physikalische Wege, auf denen Wärme vom Heizelement in das Pflanzenmaterial gelangt. Und dieser Weg bestimmt fast alles, was ein Anwender am Ende bemerkt: wie viel Wirkstoff freigesetzt wird, wie der Dampf schmeckt, wie gleichmäßig das Material ausgenutzt wird und ob es im ungünstigsten Fall ankokelt statt zu verdampfen.
Der Kernunterschied zwischen Verdampfung und Verbrennung ist dabei kein gradueller, sondern ein prinzipieller. Cannabis und andere Kräuter verbrennen bei etwa 600 bis 900 °C; die Verdampfung der interessierenden Inhaltsstoffe findet dagegen in einem schmalen Fenster von rund 160 bis 230 °C statt. Zwischen diesen beiden Welten liegen mehr als 400 Grad – und genau in diesem Zwischenraum arbeitet ein Vaporizer. Wie präzise und wie gleichmäßig er das tut, hängt maßgeblich vom Heizprinzip ab.
1 · Die Physik der Wärmeübertragung
Wärme kann auf drei Wegen übertragen werden, und alle drei spielen im Vaporizer eine Rolle. Wer die Heizprinzipien verstehen will, kommt an dieser Grundlage aus der Thermodynamik nicht vorbei.
Wärmeleitung (Konduktion) ist die Übertragung durch direkten Kontakt zwischen zwei Körpern unterschiedlicher Temperatur. Die Energie wird von Molekül zu Molekül weitergereicht, ohne dass sich Material großräumig bewegt. Das anschauliche Bild ist die heiße Herdplatte: Was aufliegt, wird heiß, was nicht aufliegt, bleibt kühler. Die Übertragung ist umso stärker, je größer der Temperaturunterschied und je enger der Kontakt.
Wärmeströmung (Konvektion) überträgt Energie über ein strömendes Medium – hier: Luft. Ein Heizelement erhitzt Luft, und diese heiße Luft strömt durch das Material und gibt ihre Energie dabei ab. Das Bild ist der Umluftofen: Nicht die Wand des Ofens gart das Gericht, sondern die zirkulierende heiße Luft, die es von allen Seiten umspült.
Wärmestrahlung schließlich überträgt Energie als elektromagnetische Strahlung ohne Trägermedium. Sie ist bei einigen stationären Geräten relevant, etwa bei den frühen Modellen mit Halogenlampe, spielt bei modernen Kräuterverdampfern aber meist nur eine Nebenrolle und wird oft der Konvektion zugeschlagen. Im Folgenden konzentrieren wir uns deshalb auf die beiden dominierenden Prinzipien – Konduktion und Konvektion – sowie deren Kombination.
2 · Konduktion im Vaporizer
Beim konduktiven Vaporizer liegt das Pflanzenmaterial direkt in einer beheizten Kammer – meist aus Keramik, Edelstahl oder Glas – oder auf einer beheizten Platte. Ein temperaturgeregeltes Heizelement, oft aus Widerstandsdraht, bringt die Kammerwände auf Temperatur, und diese geben die Wärme über den Kontakt an das anliegende Material ab.
Der große Vorteil dieses Aufbaus ist seine Einfachheit und Geschwindigkeit. Es gibt wenig, was zwischen Heizelement und Material liegt, entsprechend schnell ist das Gerät betriebsbereit: Aufheizzeiten von rund 20 bis 30 Sekunden sind typisch. Konduktive Geräte sind zudem konstruktiv robust, günstiger herzustellen und in der Bedienung anspruchslos – die Zugtechnik des Anwenders beeinflusst das Ergebnis kaum.
Der prinzipbedingte Nachteil liegt in der Gleichmäßigkeit. Weil nur das Material heiß wird, das die Kammerwand tatsächlich berührt, entstehen Temperaturgradienten: außen an der Wand heiß, in der Mitte des Füllguts kühler. Das führt zu zwei bekannten Effekten. Erstens kann das Material an der Kontaktfläche lokal überhitzen und ankokeln (sogenannte Hotspots), während es weiter innen noch gar nicht verdampft. Zweitens muss meist umgerührt werden, um eine gleichmäßige Ausnutzung zu erreichen. Genau deshalb gilt Konduktion als etwas anfälliger für punktuelle Verbrennung bei hohen Temperaturen.
Typische Vertreter dieses Prinzips sind kompakte Taschengeräte wie der PAX Mini oder der DaVinci IQ, bei denen Baugröße, Akkulaufzeit und Einfachheit im Vordergrund stehen.
3 · Konvektion im Vaporizer
Beim konvektiven Vaporizer berührt das Heizelement das Material nicht. Stattdessen wird Luft erhitzt, und erst diese heiße Luft strömt – beim Ziehen oder durch ein Gebläse angetrieben – durch die Füllkammer. Jedes Partikel wird dabei von heißer Luft umspült, und die verdampften Wirkstoffe werden direkt vom Luftstrom mitgenommen.
Der entscheidende Vorteil ist die Gleichmäßigkeit der Erwärmung. Weil die Wärme über die Luft an alle Oberflächen gelangt, entstehen kaum Hotspots, und das Material wird über den gesamten Querschnitt hinweg ausgenutzt. Das schont die empfindlichen Aromastoffe und gilt als Grund dafür, dass Konvektionsgeräte in Geschmackstests regelmäßig vorne liegen. Ein zweiter Vorteil: Solange nicht gezogen wird, strömt keine heiße Luft durch das Material – es verdampft also nur bei aktivem Zug, was Verschwendung reduziert.
Die Kehrseite ist ein höherer konstruktiver und bedientechnischer Aufwand. Konvektionsgeräte brauchen tendenziell etwas länger zum Aufheizen (rund 30 bis 60 Sekunden) und reagieren empfindlich auf die Zugtechnik: Wird zu schnell gezogen, kühlt die Luft ab und der Dampf wird dünn; wird zu langsam gezogen, kann das Material überhitzen. Sie sind außerdem teurer in der Herstellung. Reine Konvektion findet sich deshalb häufiger bei ambitionierten Desktop-Geräten (etwa dem Volcano Classic) und Enthusiasten-Portables (etwa Tinymight oder Firefly).
4 · Das Hybrid-Prinzip
Hybride Vaporizer versuchen, die Stärken beider Welten zu vereinen: Sie kombinieren eine vorgeheizte, konduktiv erwärmte Kammer mit einem aktiven, konvektiven Luftstrom. Die konduktive Komponente sorgt für kurze Aufheizzeiten und dichten Dampf schon beim ersten Zug; die konvektive Komponente sorgt für die gleichmäßige Durchdringung des Materials während des Ziehens.
In der Praxis liegen Hybridgeräte damit bei den Aufheizzeiten (rund 20 bis 40 Sekunden) nahe an den konduktiven und bei Gleichmäßigkeit und Ausbeute nahe an den konvektiven Geräten. Sie sind zugleich unempfindlicher gegenüber der Zugtechnik als reine Konvektionsgeräte. Der Preis dafür ist ein komplexerer Aufbau. Zu den bekanntesten Vertretern zählen die Geräte der Mighty-/Crafty-Familie sowie der Arizer Solo. Nicht zufällig ist es diese Kategorie, die in vielen aktuellen Empfehlungen den besten Kompromiss aus Komfort und Qualität bietet.
5 · Direkter Vergleich der drei Prinzipien
Die folgende Tabelle fasst die charakteristischen Eigenschaften zusammen. Wichtig: Die Zahlen sind typische Bereiche über viele Geräte hinweg, keine physikalischen Konstanten – ein exzellent konstruiertes Konduktionsgerät kann ein mittelmäßiges Konvektionsgerät durchaus schlagen. Das Prinzip setzt den Rahmen, die Umsetzung entscheidet im Einzelfall.
| Eigenschaft | Konduktion | Konvektion | Hybrid |
|---|---|---|---|
| Wärmeübertragung | direkter Kontakt | heißer Luftstrom | beides kombiniert |
| Aufheizzeit | 20–30 s | 30–60 s | 20–40 s |
| Geschmacksqualität | gut | exzellent | sehr gut |
| Hotspot-/Ankokel-Risiko | höher | gering | gering |
| Empfindlichkeit ggü. Zugtechnik | niedrig | mittel–hoch | niedrig |
| Konstruktion / Preis | einfach, günstig | aufwändig, teurer | aufwändig |
| Beispielgeräte | PAX Mini, DaVinci IQ | Volcano Classic, Tinymight | Mighty, Crafty, Arizer Solo |
Belastbare Messwerte zur tatsächlichen Wirkstoffausbeute konkreter Geräte finden sich in Abschnitt 8 (Abbildung 2, nach Lanz et al. 2016).
6 · Verdampfen statt Verbrennen: das entscheidende Temperaturfenster
Der eigentliche Sinn eines Vaporizers ist es, die gewünschten Inhaltsstoffe zu verdampfen, ohne das Material zu verbrennen. Beim Verbrennen entstehen aus dem Pflanzenmaterial mehrere tausend Verbindungen, darunter Teer, Benzol, Naphthalin, Formaldehyd, Acrolein und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – allesamt Pyrolyse- und Verbrennungsprodukte, die erst bei deutlich höheren Temperaturen in nennenswerter Menge entstehen.[2]
Bleibt die Temperatur unter dieser Schwelle, werden diese Stoffe weitgehend vermieden, während die Wirkstoffe bereits verdampfen – genau darin liegt der messbare Gewinn der Verdampfung. In der Pilotuntersuchung von Gieringer begann die THC-Freisetzung bei rund 180 °C und nahm zu 200 °C hin zu; dabei wurden drei gemessene Giftstoffe – Benzol (ein bekanntes Karzinogen), Toluol und Naphthalin – vollständig eliminiert, Kohlenmonoxid und Teer zusätzlich reduziert.[3] Die in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Folgeanalyse bestätigte, dass der Verdampfer die Cannabinoide effizient abgibt und zugleich die bei der Verbrennung entstehenden Pyrolyseprodukte wirksam unterdrückt.[2] Unabhängige Analysen der Dampfzusammensetzung des Volcano-Geräts[4] sowie Untersuchungen zum Cannabinoid-Gehalt verdampfter Proben[6] stützen dieses Bild; in einer klinischen Studie fiel überdies die Kohlenmonoxid-Belastung beim Verdampfen geringer aus als beim Rauchen.[5]
Abbildung 1 · Die Temperaturlandschaft eines Vaporizers
Vom Aktivierungsbeginn der Wirkstoffe bis zur Verbrennung – und wo die relevanten Verbindungen verdampfen (°C).
Diese Abbildung erklärt auch, warum das Heizprinzip so wichtig ist: Das nutzbare Fenster ist schmal, und die Siedepunkte der einzelnen Stoffe liegen nur wenige Grad auseinander. Ein Prinzip, das die Temperatur gleichmäßig und präzise hält (Konvektion, Hybrid), kann gezielter einzelne Verbindungen ansteuern als eines, bei dem die Kammer außen deutlich heißer ist als innen (Konduktion).
7 · Siedepunkte von Cannabinoiden und Terpenen im Detail
Die folgende Tabelle listet die Verdampfungs- bzw. Siedepunkte der wichtigsten Verbindungen. Zwei Hinweise zur Einordnung: Erstens schwanken die in der Literatur genannten Werte teils um einige Grad, weil sie vom Druck und von der Messmethode abhängen – die Angaben sind also Orientierungswerte, keine exakten Konstanten. Zweitens bedeutet „Siedepunkt“ nicht, dass ein Stoff erst exakt bei dieser Temperatur entweicht; die Freisetzung beginnt oft schon darunter und nimmt mit steigender Temperatur zu.
| Verbindung | Typ | Siedepunkt (°C) | Zugeschriebene Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| β-Caryophyllen | Terpen | ≈ 130 | würzig-pfeffrig; mögliche entzündungshemmende Effekte |
| α-Pinen | Terpen | ≈ 156 | kiefernartig; wach machend |
| THC (Δ9) | Cannabinoid | ≈ 157 | wichtigstes psychoaktives Cannabinoid |
| CBG | Cannabinoid | ≈ 120* | nicht psychoaktiv |
| Myrcen | Terpen | ≈ 167 | erdig; eher sedierend |
| Δ8-THC | Cannabinoid | ≈ 175 | schwächer psychoaktiv als Δ9 |
| Limonen | Terpen | ≈ 176 | zitrusartig; stimmungsaufhellend |
| CBD | Cannabinoid | ≈ 160–180 | nicht psychoaktiv; ausgleichend |
| CBN | Cannabinoid | ≈ 185 | Abbauprodukt von THC; sedierend |
| Linalool | Terpen | ≈ 198 | floral (Lavendel); entspannend |
| THCV | Cannabinoid | ≈ 220 | appetitzügelnd |
| CBC | Cannabinoid | ≈ 220 | nicht psychoaktiv |
* Für CBG bzw. die sauren Vorstufen kursieren je nach Quelle unterschiedliche Werte; die Angabe dient nur der groben Einordnung.
Aus dieser Verteilung folgt eine praktische Faustregel für die Temperaturwahl: Niedrigere Temperaturen (rund 160–180 °C) betonen die leicht flüchtigen Terpene und liefern aromatischen, milden Dampf mit geringerer Wirkstoffdichte. Höhere Temperaturen (rund 190–220 °C) setzen mehr Cannabinoide frei, gehen aber zu Lasten des Geschmacks und nähern sich der Verbrennungsschwelle an. Ein Gerät mit präziser, gleichmäßiger Temperaturführung erlaubt es, diese Zonen gezielt anzusteuern – ein weiterer Grund, warum das Heizprinzip mehr ist als eine technische Randnotiz.
8 · Extraktionseffizienz: was die Studienlage tatsächlich zeigt
Hier lohnt der Blick auf harte Daten – und ein ehrlicher Umgang mit ihnen. Die bislang gründlichste vergleichende In-vitro-Untersuchung stammt von Lanz und Kollegen (2016). Sie prüften fünf handelsübliche Vaporizer und bestimmten, wie viel Prozent des im Material enthaltenen THC bzw. CBD tatsächlich in den Dampf überging – jeweils bei einer einheitlichen Solltemperatur von 210 °C für die elektrisch beheizten Geräte.[1]
Abbildung 2 · Wirkstoffausbeute im Dampf nach Gerät
Anteil des extrahierten THC bzw. CBD am Gesamtgehalt, bei 210 °C (Gasgerät ohne Temperaturregelung). Nach Lanz et al. 2016.[1]
Was diese Zahlen ehrlicherweise nicht hergeben, ist eine simple Rangliste „Konvektion schlägt Konduktion“. Der konvektive Volcano landete im Mittelfeld, das primär konduktive DaVinci-Gerät lag beim CBD sogar leicht darüber. Die Studie war nicht darauf angelegt, Heizprinzipien gegeneinander zu testen, sondern konkrete Geräte. Die belastbare Aussage lautet deshalb: Temperaturgeregelte, elektrisch beheizte Vaporizer setzen die Wirkstoffe zuverlässig und in hoher Ausbeute frei, während das gasbetriebene Gerät ohne Temperaturregelung schlechter abschnitt und Verbrennung zeigte.[1] Die präzise Temperaturregelung ist damit der eigentlich entscheidende Faktor – und die fällt konvektiven und hybriden Bauweisen konstruktiv oft leichter.
9 · Decarboxylierung: warum Temperatur nicht nur „verdampfen“ heißt
Ein Aspekt, der in der Diskussion um Heizprinzipien oft untergeht: Wärme verdampft die Wirkstoffe nicht nur, sie verändert sie auch chemisch. In der frischen Pflanze liegen die Cannabinoide überwiegend in ihrer sauren Form vor – etwa als THCA statt THC. Erst durch Erhitzen wird eine Carboxylgruppe abgespalten (Decarboxylierung), und aus der inaktiven Säure wird das aktive Cannabinoid. Ohne diesen Schritt gäbe es kaum Wirkung.
Auch hier liefert die Lanz-Studie belastbare Zahlen: Die elektrisch beheizten, temperaturgeregelten Geräte erreichten Decarboxylierungsraten von ≥ 97,3 % für THC und ≥ 94,6 % für CBD. Das gasbetriebene Gerät ohne Temperaturregelung blieb mit ≥ 87,7 % darunter.[1] Ein Vaporizer, der die Temperatur sauber im Zielfenster hält, erledigt die Decarboxylierung also gleich mit – ein weiteres Argument für kontrollierte, gleichmäßige Erwärmung.
10 · Welches Prinzip für wen?
Aus der Physik und den Daten lassen sich einige praxisnahe Empfehlungen ableiten – ohne dass ein Prinzip pauschal „das beste“ wäre. Für Einsteiger, die ein einfaches, schnelles und günstiges Gerät suchen und Wert auf unkomplizierte Bedienung legen, ist Konduktion eine sinnvolle Wahl; man sollte dann mit moderaten Temperaturen arbeiten und zwischendurch umrühren, um Hotspots zu vermeiden. Wer maximalen Geschmack, gleichmäßige Ausnutzung und feine Kontrolle über einzelne Temperaturzonen möchte und bereit ist, sich mit der Zugtechnik zu beschäftigen, ist mit reiner Konvektion am besten bedient. Und wer den besten Kompromiss aus schneller Verfügbarkeit, guter Ausbeute und unkomplizierter Handhabung sucht, greift zu einem Hybrid-Gerät – nicht zufällig die Kategorie, die aktuell die meisten Allround-Empfehlungen dominiert.
Über alle Prinzipien hinweg gilt: Die Präzision und Konstanz der Temperaturregelung ist wichtiger als das Prinzip auf dem Datenblatt. Ein hochwertiges Konduktionsgerät mit guter Regelung schlägt ein billiges Konvektionsgerät. Das Heizprinzip beschreibt die Bauart – die Qualität der Umsetzung entscheidet über das Ergebnis.
Material, Mahlgrad und Luftzug – die unterschätzten Faktoren
Das Heizprinzip legt fest, wie die Wärme ins Material gelangt – aber wie gut es dann tatsächlich funktioniert, hängt zusätzlich davon ab, wie das Material vorbereitet und wie gezogen wird. Diese Faktoren wirken bei jedem Prinzip anders, und wer sie ignoriert, verschenkt einen Großteil des theoretischen Vorteils.
Der Mahlgrad ist der wichtigste dieser Faktoren. Feiner gemahlenes Material bietet mehr Oberfläche, an der die Wärme angreifen kann – das steigert bei beiden Prinzipien die Ausbeute. Bei der Konvektion ist ein gleichmäßiger, mittelfeiner Mahlgrad zusätzlich deshalb wichtig, weil die heiße Luft das Material durchströmen können muss: Zu grobe Stücke werden ungleichmäßig erhitzt, zu feines Pulver dagegen verdichtet sich und blockiert den Luftstrom. Bei der Konduktion zählt vor allem der Kontakt zur Kammerwand, weshalb sich ein etwas festeres Andrücken lohnt – während ein zu fest gepacktes Konvektionsgerät genau das Gegenteil braucht.
Damit hängt die Packdichte unmittelbar zusammen. Konvektions- und Hybridgeräte arbeiten am besten mit einer locker bis mittel befüllten Kammer, durch die die Luft frei zirkulieren kann. Konduktionsgeräte profitieren dagegen von einer voller und gleichmäßig gepackten Kammer, damit möglichst viel Material die heißen Flächen berührt. Ein halb gefülltes Konduktionsgerät neigt dazu, das wenige anliegende Material zu überhitzen, während der Rest kaum verdampft.
Schließlich die Zugtechnik: Bei Konvektionsgeräten bestimmt die Zuggeschwindigkeit direkt, wie viel Wärme das Material erreicht – langsame, gleichmäßige Züge liefern dichten Dampf, hastige Züge kühlen die Kammer aus. Konduktionsgeräte sind hier gutmütiger, weil die Wärme bereits in den Kammerwänden gespeichert ist und nicht erst mit der Luft transportiert werden muss. Wer ein Konvektionsgerät wie ein Konduktionsgerät bedient (oder umgekehrt), wird die jeweiligen Stärken nicht ausspielen – ein oft übersehener Grund dafür, warum dasselbe Gerät bei verschiedenen Nutzern so unterschiedlich abschneidet.
11 · Häufige Fragen
Ist Konvektion immer besser als Konduktion?
Nein. Konvektion hat prinzipbedingte Vorteile bei Gleichmäßigkeit und Geschmack, aber die Messdaten zeigen, dass ein gut konstruiertes Konduktions- oder Hybridgerät ebenbürtig oder besser sein kann. Entscheidend ist die Qualität der Temperaturregelung, nicht das Etikett.
Bei welcher Temperatur sollte man verdampfen?
Das hängt vom Ziel ab. Rund 160–180 °C betonen Aroma und Terpene bei milder Wirkung; 190–220 °C liefern mehr Wirkstoff, aber weniger Geschmack. Oberhalb von etwa 230 °C beginnt die Verbrennung mit ihren unerwünschten Nebenprodukten und sollte vermieden werden.
Warum ist Verdampfen schonender als Rauchen?
Weil es unterhalb der Verbrennungsschwelle bleibt. In kontrollierten Analysen setzte ein Verdampfer die Wirkstoffe bereits ab etwa 180–200 °C frei und eliminierte dabei messbare Giftstoffe wie Benzol, Toluol und Naphthalin, die erst bei der Verbrennung entstehen; auch die Kohlenmonoxid-Belastung fällt geringer aus.[3][5]
Was ist Decarboxylierung – und macht der Vaporizer das automatisch?
Decarboxylierung ist die Umwandlung der inaktiven sauren Cannabinoide (z. B. THCA) in ihre aktive Form (THC) durch Wärme. Temperaturgeregelte Vaporizer erledigen diesen Schritt beim Verdampfen mit Raten von über 94 % praktisch nebenbei.[1]
Passende Vaporizer nach Heizprinzip
Der Beitrag oben ist bewusst neutral gehalten. Wenn du das Gelesene in ein konkretes Gerät übersetzen möchtest: Das sind Modelle aus unserem Sortiment, geordnet nach dem jeweils dominierenden Heizprinzip. Aktuelle Preise und Verfügbarkeit stehen auf der jeweiligen Produktseite.
Konvektion

Wolkenkraft Äris Ultra
Reiner Konvektions-Vaporizer: Ein heißer Luftstrom durchströmt das Material, statt es an einer heißen Fläche anliegen zu lassen (siehe Abschnitt 3). Das Ergebnis ist die gleichmäßige Erwärmung und der volle Geschmack, für die Konvektion bekannt ist – bei minimalem Hotspot-Risiko.
Äris Ultra ansehen →Konduktion

PAX Plus Starter Kit
Überwiegend konduktiv: Das Material liegt direkt in der beheizten Kammer (siehe Abschnitt 2). Dadurch schnell startklar, kompakt und unkompliziert zu bedienen – der klassische, günstige Einstieg. Tipp aus dem Artikel: eher voll und gleichmäßig befüllen.
PAX Plus ansehen →Hybrid

PAX Flow
Hybrid aus vorgeheizter Kammer und aktivem Luftstrom (siehe Abschnitt 4): kurze Aufheizzeit wie bei der Konduktion, gleichmäßige Ausbeute wie bei der Konvektion – und dabei unempfindlicher gegenüber der Zugtechnik.
PAX Flow ansehen →
Mighty+ (Storz & Bickel)
Der Hybrid-Klassiker: kombiniert Konduktion und Konvektion für dichten, gleichmäßigen Dampf. In der vergleichenden Studie (Abschnitt 8) steht diese Geräteklasse für zuverlässige, hohe Wirkstoffausbeute.
Mighty+ ansehen →Quellen
- Lanz C., Mattsson J., Soydaner U., Brenneisen R. (2016): Medicinal Cannabis: In Vitro Validation of Vaporizers for the Smoke-Free Inhalation of Cannabis. PLoS ONE 11(1): e0147286. DOI: 10.1371/journal.pone.0147286
- Gieringer D., St. Laurent J., Goodrich S. (2004): Cannabis Vaporizer Combines Efficient Delivery of THC with Effective Suppression of Pyrolytic Compounds. Journal of Cannabis Therapeutics 4(1): 7–27. DOI: 10.1300/J175v04n01_02
- Gieringer D. / NORML & MAPS (2001): Pilotstudie zum Cannabis-Vaporizer – THC-Freisetzung ab ca. 180 °C sowie vollständige Eliminierung von Benzol, Toluol und Naphthalin. Ergebniszusammenfassung: maps.org
- Hazekamp A., Ruhaak R., Zuurman L. et al. (2006): Evaluation of a vaporizing device (Volcano) for the pulmonary administration of tetrahydrocannabinol. Journal of Pharmaceutical Sciences 95(6): 1308–1317. DOI: 10.1002/jps.20574
- Abrams D. I., Vizoso H. P., Shade S. B. et al. (2007): Vaporization as a Smokeless Cannabis Delivery System: A Pilot Study. Clinical Pharmacology & Therapeutics 82(5): 572–578. DOI: 10.1038/sj.clpt.6100200
- Pomahacova B., Van der Kooy F., Verpoorte R. (2009): Cannabis smoke condensate III: the cannabinoid content of vaporised Cannabis sativa. Inhalation Toxicology 21(13): 1108–1112.
- Leafly (redaktioneller Fachbeitrag): Want the most from your cannabis terpenes? Temperature matters. leafly.com – Sekundärquelle für die Terpen-Siedepunkte, die auf etablierten chemischen Stoffkennwerten beruhen.
- Veriheal (redaktioneller Fachbeitrag): Cannabinoid Boiling Points – A Guide to Optimal Vaporizer Temperatures. veriheal.com – Sekundärquelle für die Cannabinoid-Siedepunkte.
Hinweis: Dieser Artikel dient der technischen und wissenschaftlichen Information über die Funktionsweise von Verdampfern und trifft keine Aussage über den Konsum bestimmter Substanzen. Die Nutzung von Vaporizern und der Umgang mit den genannten Stoffen unterliegen den jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Angegebene Temperatur- und Messwerte sind Orientierungswerte aus der zitierten Literatur und können je nach Gerät, Material und Messmethode abweichen.